David Belle: Parkour und die Schöpfung der urbanen Kunst effizienter Fortbewegung

Backflip im Parkour
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Er ist Schauspieler und Stuntman. Allem voran gilt er als der Begründer des Parkours: er ist Traceur (d. i. der Parkourläufer: „der, der eine Linie zieht“). Mitgespielt hat er in ‚Babylon A. D.‘ (2008) oder ‚Ghettogangz 2‘ (2009), Stunts für namhafte Filme wie ‚Die purpurnen Flüsse 2‘ (2004), ‚Transporter‘ (2005) oder ‚Prince of Persia‘ (2010) abgeliefert.

Von der Lebenseinstellung zum Sport

Von seinem Vater Raymond, einem im damaligen Französisch-Indochina (Vietnam) geborenen, ehemaligen Soldaten der Fremdenlegion, lernte der junge David das Überwinden von Hindernissen jeder Form in den Wäldern Nordfrankreichs. Für den Vater war es weniger ein Sport als vielmehr eine soldatische Trainingsmethode zur Überwindung jedweden Hindernisses, eine an die Umgebung angepasste Fortbewegungskunst des Kombattanten gewesen. Für den Sohn und später tausende junger Menschen sollte es zur sportlichen Leidenschaft werden – einer Lebenseinstellung.

Shooting in Beijing 📷🎥

Ein von David Belle (@davidbelleofficialpage) gepostetes Foto am

Mit allen Facetten körperlicher Athletik und Gymnastik des „parcours“-Trainings der französischen Armee vertraut gemacht, übertrug der heute 43-jährige, in Fécamp, einem Ort in der Nähe von Le Havre geborene Franzose seine erlernten Fähigkeiten auf die urbane Umgebung des Pariser Vororts Lisses.
Zuerst hatten David und ein paar wenige Anhänger eine Gruppe namens ‚Yamasaki‘ gegründet. Vom eigenen Bruder gefilmt und auf den ersten Sendern im TV ausgestrahlt, kam die Sache unerwartet ins Rollen. Heute ist Parkour zu einem medienwirksamen und sehr beliebten Trendsport herangewachsen.

David Belle und der “echte” Parkour

Der öffentlich eher schweigsame Traceur zeigt sich nichtsdestotrotz gerne beim Ausüben seiner artistischen Einlagen. Der „echte“ Parkour ist für ihn aber weiterhin abseits vom medial getragenen und wettbewerbsorientierten Sport angesiedelt. „Man muss nur rausgehen und die Leute suchen, die dort trainieren, ohne sich selbst mit der Kamera aufzunehmen. Das ist das echte Parkour“, bekennt der Franzose offenherzig.

„Es gibt jetzt Leute, die auftauchen und Strukturen aufbauen, Geld machen wollen. Mir wäre es egal, wenn ich damit kein Geld machen würde. Ich weiß, wo ich herkomme. Mein Vater ist die zentrale Figur, die mir alles beigebracht hat. Es werden sicherlich einige Leute mit Parkour reich werden. Wenn ich es nicht werde, dann ist mir das egal. Mir geht es um etwas anderes.“

Das Streben nach Wahrheit und Authentizität, Effizienz und Stil so zu kombinieren, dass der Traceur die Fähigkeit entwickelt, mit einem starken Körper und Geist anderen Menschen zu helfen, das sind die hochgesteckten Ideale Belles. Er hat sich damit ein Image aufgebaut, das in der alternativen Szene gerne als Kennzeichen für Unabhängigkeit und Freiheit gewertet wird. Erst Davids Bemühungen, seine Persönlichkeit und Selbstdarstellung haben Parkours zu dem gemacht, was es heute ist und der Bewegung eine Eigendynamik verliehen.

Viele halten den Sport für waghalsig und verrückt. Doch beim Parkour, erklärt uns der Franzose, geht es gerade um das Gegenteil. Es geht um Vorsicht, um Einschätzungsvermögen und Rücksichtnahme. Anders als bei einer Kampfkunst, bei der primär das Überwinden und Verletzen eines menschlichen Gegners das Ziel ist, lernst du beim Parkour dich selbst zu überwinden.

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